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Bartelsstraße: Ein „Deal“ zerstört ihren Hinterhof

Auch andere Nachbarn in Altona kämpfen gegen die Verdichtung ihres Innenhofes. Die Bewohner der Bartelsstrasse 63 wollen das Fällen von 26 Bäumen in ihrem Hinterhof verhindern. Dort sollen etwa acht freifinanzierte Wohnungen entstehen – die Politik hat angeblich einen Deal mit dem Investor ausgehandelt. In der MOPO könnt ihr dazu 2 Artikel lesen.

im Blick: Betten-Bunker im Ophagen-Viertel

Die neueste Ausgabe „im Blick“ (Nr. 72 Dez./Jan./Feb. 2017/2018), Infozeitschrift des Bürgertreffs Altona-Nord, ist soeben druckfrisch erschienen und titelt mit der Schlagzeile:
Anwohner sind besorgt: Betten-Bunker im Ophagen-Viertel
Ein wirklich sehr guter Artikel von Martin Elbl, der die Bedenken und Sorgen der Anwohner/innen sehr gut wieder gibt und auch die Verantwortung der Politiker/innen deutlich hervor hebt. In seinem Kommentar fordert Martin Elbl: „Es lohnt sich, frühzeitig einen Ausgleich zwischen Anwohnerinteressen und Investoren, Wohnungsmarkt und Quartiersentwicklung zu suchen. Intransparenz und Durchwinke-Mentalität sind völlig fehl am Platz.
Danke für diese deutlichen Worte.

Durch Klick auf „im Blick“ kommt ihr auf das online-pdf.

Unsere Aktivitäten scheinen zu wirken!

Auch die MOPO berichtet nun über die Pläne für den Bunker. Danach scheint der Bauausschuss tatsächlich hart (und in unserem Sinne) mit dem Investor zu verhandeln. Investor Eduard Reidel bietet inzwischen zwar bei immerhin 24 Wohnung (statt bislang nur 13) eine Mietpreisbindung an, allerdings will er das nur für zehn Jahre tun, während die Politik 15 Jahre befürwortet. Das ist besser als nix, ist aber noch keine nachhaltige Wohnungsbaupolitik, die dauerhaft bezahlbare Wohnungen schafft.

Der Bauausschussvorsitzende Hielscher wird dahingehend zitiert, dass auch die geplante Überbauung des Hinterhofes nicht auf Zustimmung stößt: „Und es geht auch um die Tiefe des Gebäudes. Er (der Investor – d. V.) wird hier nachbessern müssen, womöglich muss er noch einmal an den Grundriss heran. Dann könnten aus zwei Mikrowohnungen eine ordentliche Zwei-Zimmer-Wohnung werden. – Quelle: https://www.mopo.de/28828518 ©2017″ – Also scheinen sich hier unsere Forderungen und die der Politik nicht zu widersprechen.

Ansonsten lässt Investor Reidel noch verkünden, er wolle gar nicht höher bauen, als die anliegenden Wohnungen. Wenn der uns bekannte Bauantrag noch aktuell ist, dann ist das gelogen. Die geplante Dachhöhe liegt dort ca. 1,5m über der Eimsbütteler Straße 129. Insgesamt wäre das allerdings weniger schlimm, als das Zubauen des Hinterhofes.

Bund beteiligt sich an Immobilienspekulationen zu Höchstpreisen

Die „Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA)“, in deren Besitz auch der Bunker Eimsbütteler Straße 135 war (ist?), beteiligt sich an Immobilienspekulationen zu Höchstpreisen, statt bezahlbaren Wohnraum und geeignetes Bauland für neue Sozialwohnungen zu fördern.
Dies ist im Beitrag „Wie der Bund an steigenden Mieten mitverdient“ von Eleni Klotsikas auf Deutschlandfunk Kultur in den Zeitfragen am 13.11.2017 nachzuhören und nachzulesen.

NDR

Thomas vom NDR Hörfunk in Alis Biodisko getroffen, vielleicht tun sich da neue Möglichkeiten auf …
Wir bleiben dran!

taz – Artikel

In der taz steht heute ein toller Artikel zum Bunkerumbau:
Investor will keine Sozialwohnungen

Ein Bunker für Betuchte

HAMBURG taz | Nein, sagt die Anwohnerin aus der Eimsbütteler Straße, sie sei auf keinen Fall dagegen, dass nebenan im früheren Bunker Wohnungen gebaut würden. Sondern dagegen, dass dort mutmaßlich teure Mikro-Appartments entstehen sollen. Laut Bauplänen sind es 72, die meisten davon kleiner als 25 Quadratmeter.

Die, so fürchtet die Anwohnerin, würden zu Preisen vermietet oder verkauft, die sich etwa ein Bafög-Studierender nicht leisten kann. Sondern Geschäftsleute, die sich nur auf Zeit niederlassen wollen, Menschen mit hohem Einkommen oder entsprechendem Elternhaus. Nicht aber eine gemischte Nachbarschaft aus Alten und Jungen, Singles und Familien. „Was ich mir wünsche, ist Wohnungsbau für Menschen wie du und ich“, sagt sie.

Im Frühjahr wurde eine Anwohnerin durch Bauarbeiter beim Bunker aufmerksam und ging zum Bauamt. So wurde öffentlich, dass der Greifswalder Investor Eduard Reidel, der bereits in der Missundestraße in Altona und in der Wielandstraße in Eilbek einen ehemaligen Bunker umgebaut hat, auch in der Eimsbütteler Straße entsprechende Pläne hat. Verkauft ist der Bunker, der im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben war, bereits. Von ihm sollen nur zwei Seitenwände und das Fundament erhalten bleiben, ein Teilabriss ist bereits genehmigt.

Bezirkspolitik verlangt „Drittelmix“

Doch im ersten Anlauf sind die Pläne im Altonaer Bauausschuss gescheitert. Reidels RHH Eimsbütteler Straße GmbH hat beantragt – anders als im Bauplan vorgesehen – sechs statt vier Geschosse plus Staffelgeschoss zu errichten und nach hinten gestaffelt statt geschlossen zu bauen, um mehr Grundfläche zu schaffen.

Der Bauausschuss möchte im Gegenzug für eine solche Ausnahmegenehmigung, dass sich der Investor auf die sogenannte Drittel-Mix-Regelung einlässt. Reidel müsste ein Drittel der durch die Befreiung zusätzlich entstehenden Wohnungen als Sozialwohnungen anbieten. Das aber hat er laut Sven Hielscher (CDU), dem Vorsitzenden des Bauausschusses, abgelehnt. Nun hat der Ausschuss die Entscheidung auf den 14. November vertagt.

Eduard Reidel sieht sich dagegen kompromissbereit. Er habe dem Ausschuss angeboten, 13 der Wohnungen für zehn Jahre mit Mietpreisbindung anzubieten. Zu einer „Range zwischen 9,20 und 9,80“ pro Quadratmeter. Was er baue, sei ohnehin „normales Wohneigentum“ für Studierende, Pendler und Singles. Ursprünglich habe man Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen im Bunker geplant, das sei aufgrund von Stadtplanung, Denkmalschutz und dem Zuschnitt des Grundstücks gescheitert. Reidel sieht sich ohnehin von Sachzwängen gebunden: „Ich habe Kosten, die ich abdecken muss“.

Hielscher ist eine gewisse Irritation anzumerken. Für ihn ist das Angebot, das Reidel dem Bauausschuss unterbreitet hat, allzu schwammig, da weder die Miethöhe noch die Zahl der Wohnungen bestimmt worden sei. Auch die AnwohnerInnen rund um den Bunker, die sich inzwischen zu einer Infoveranstaltung getroffen haben, beharren auf einer Planung, die sozialverträglich ist.

Erzwingen kann die Politik Sozialwohnungen nicht

„Die Politiker tönen alle: Wir brauchen bezahlbare Wohnungen“, sagt die Anwohnerin. Tatsächlich ist deren Spielraum begrenzt: Nur wenn der Investor an den sechs Geschossen festhält, gibt es über den Befreiungsentscheid die Möglichkeit, den Drittel-Mix durchzusetzen. Sollte Seidel sich dagegen mit vier Geschossen begnügen, hat er keinerlei Auflagen.

Die AnwohnerInnen hoffen, dass sich das Projekt dann möglicherweise nicht mehr lohnt. Sie fordern dazu auf, alle Mitglieder des Bauausschusses anzuschreiben, um an deren Verantwortung zu appellieren.

An übergeordneter Stelle, in der Behörde für Stadtentwicklung, gibt man sich eher entspannt. Der Andrang von jungen Leuten, die in der Stadt Jobs oder Ausbildungsplätze gefunden haben, sei ungebrochen, sagt deren Sprecher Sebastian-Magnus Kutz. Diese würden durch Neubauten in der Eimsbütteler Straße Wohnraum finden und damit werde der Wohnungsmarkt entlastet. Dass die Entlastung dann die Besserverdienenden trifft, sagt er nicht.
[Text: Friederike Gräff]

Leserbrief von Lotta an die Eimsbütteler Nachrichten

Moin,

ich beziehe mich auf folgenden Artikel in den Eimsbütteler Nachrichten:
https://www.eimsbuetteler-nachrichten.de/bunker-abriss-eimsbuetteler-strasse-altona/

Als Nachbarin des Bunkers war ich gestern auf der gut besuchten Veranstaltung der Nachbarschaftsinitiative. Im Gegensatz zu eurem Artikel, ist auf der Veranstaltung das böse Wort „Gentrifizierung“ nicht gefallen. Auch haben die engagierten NachbarInnen immer wieder klargestellt, dass sie Abriss und Neubau nicht Verhindern wollen, sondern ein solches Vorhaben ausdrücklich begrüßen. Die Kritik richtet sich einzig gegen die Art des Projekts, weil überteuerte Microappartements nur dem bauendem Investor nutzen, aber sonst niemand. (Die Stiftung Warentest hat neulich reine Geldanleger vor solchen Wohnungen gewarnt.) Außerdem ist das beantragte Zubauen des Hofes zu hinterfragen, weil es die Wohnqualität der Nachbarhäuser (und letztlich des Bunkerersatzes selbst) senkt.

Unglücklich finde ich auch das Zitat von Reidel „Keiner braucht 130qm-Appartements“, weil es im Artikel unwidersprochen so steht, als würde das von den NachbarInnen gefordert. Auch davon hat beim Treffen niemand gesprochen. Mal abgesehen, dass sich 130qm in der Preisklasse von Reidel-Projekten niemand leisten kann. Gefordert worden gemischte Wohnungsgrößen, gerne auch kleine Wohnungen für Studenten/Azubis bzw. barrierefrei für RentnerInnen, aber eben auch größere Wohnungen für Paare und Familien. Kurz: Für eine Mischung, wie sie das Viertel derzeit noch ausmacht.

Mit freundlichen Grüßen
Lotta

Artikel in den Eimsbütteler Nachrichten

Bunker-Abriss: Anwohner gegen Neubau-Pläne

Der Bunker an der Eimsbütteler Straße soll abgerissen werden. Ein Immobilieninvestor plant einen Neubau, der auf Widerstand in der Nachbarschaft stößt. Die Bezirkspolitik macht Auflagen für die Genehmigung.
Von Max Gilbert – 07.11.2017
Im Stadtgebiet Hamburg wurden vor und während des Zweiten Weltkriegs über 1.000 Bunker gebaut, um die Bürger der Hansestadt vor feindlichen Bomben zu schützen. Die große Mehrheit der Luftschutzbauten liegt unter der Erde, dennoch prägen auch noch heute etwa 50 überirdische Hochbunker das Stadtbild.

Immer mehr unbenutzte Bunker wurden in den letzten Jahren abgerissen, entweder zum Teil oder komplett. Oft entsteht neuer Wohnraum, viele Bunker liegen in begehrten Wohngegenden wie Eimsbüttel.

Bunker Eimsbütteler Straße: Verkauf beschlossen, Neubau geplant

Auch der Bunker an der Eimsbütteler Straße soll abgerissen werden. Nach Informationen der Eimsbütteler Nachrichten ist ein Teilabriss geplant, die Seitenwände des alten Bunkers sollen erhalten bleiben. Noch ist der Bunker in öffentlichem Besitz, doch der Verkauf ist bereits beschlossen. Dies bestätigte eine Mitarbeiterin der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Der Verkauf sei lediglich formal noch nicht abschließend abgewickelt.

Käufer ist der Immobilieninvestor Eduard Reidel. Reidel ist Geschäftsführer einer Unternehmensgruppe mit Sitz in Gadebusch und hat bereits Erfahrung mit Hamburger Bunkern gemacht. 2014 gründete er die RHH Wielandstraße GmbH und verwandelte den Eilbeker Bunker in ein modernes Wohnhaus. Bereits im vergangenen Jahr hat Reidel die RHH Eimsbütteler Straße GmbH gegründet.

Anwohnerinitiative gegen Neubaupläne

Einige Anwohner wollen den geplanten Bau verhindern und haben eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen. Generell würden die Mitglieder der Initiative die Schaffung von Wohnraum begrüßen, jedoch befürchten sie, dass ihre Nachbarschaft unter steigenden Mieten leiden wird und der Neubau ein Spekulationsobjekt sei. Besonders störe sie, dass in dem Neubau Micro-Apartments entstehen sollen, die ihrer Meinung nach der Nachbarschaft schaden würden.

Weiterer Streitpunkt ist die geplante Größe des Neubaus. Dem Bezirksamt Altona liegt ein “Antrag auf Befreiung der Baubeplanung” vor. Der Bauherr möchte ein Stockwerk höher und insgesamt tiefer bauen, als es die Bauordnung vorsieht, bestätigt Sven Hielscher (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses im Bezirk Altona.

Genehmigung nur unter Auflage des “Drittelmixes”

Sein Ausschuss werde dem Antrag jedoch nur unter Auflagen zustimmen, erklärt der Bezirkspolitiker. Bedingung sei die Durchsetzung des “Drittelmixes”. Das heißt konkret: Bauherr Reidel muss ein Drittel der entstehenden Wohnungen entweder als Sozialwohnungen oder zu einer “preisgedämpften” Miete anbieten. Dies habe man dem Bauherr vorgeschlagen, so Hielscher, nun müsse dieser entscheiden. Die Durchsetzung des Drittelmixes ist eine der Forderungen der Bürgerinitiative.

Verzichtet Reidel auf die Durchsetzung des Drittelmixes, so werde der Antrag nicht genehmigt. Dann müsste Reidel etwas kleiner bauen – wäre jedoch an keine Auflagen seitens des Bezirks, wie ein Drittel günstige Wohnungen anzubieten, gebunden.

Hielscher betont jedoch auch, eine Genehmigung des Antrags wäre “städtebaulich vereinbar”, da die geplanten Maße einen akzeptablen Rahmen nicht sprengen würden. Der Ball liege somit nun beim Investor, der entscheiden müsse, ob er den Auflagen zustimmt, so Hielscher.

Bauherr Reidel möchte Dialog

Soweit bestätigt Eduard Reidel das Bauvorhaben. Eine Diskussion über Mietpreise und Konsequenzen hält Reidel für verfrüht, da noch nichts endgültig beschlossen sei. Auch die genaue Aufteilung der neuen Wohnungen stehe noch nicht endgültig fest. Aktuell geht der Unternehmer jedoch von 73 Wohneinheiten, 61 Ein-Zimmer-Apartments und 12 Zwei-Zimmer-Wohnungen, aus.

Die aufkommende Unruhe um sein Bauprojekt kann Seidel nicht verstehen. Er möchte “nicht gegen Windmühlen anlaufen”, noch sei ja nichts entschieden. Außerdem plane er zu einem späteren Zeitpunkt noch mit den Anwohnern in den Dialog zu treten, so der Unternehmer. Von seinem Bauprojekt ist der Geschäftsführer – im Gegensatz zu den Mitgliedern der Initiative – überzeugt: “Die Stadt braucht keine 130 Quadratmeter-Apartments”.

Braucht die Stadt kleine Apartments?

Hielscher, selbst in der Baubranche tätig, sieht das Vorhaben des Investors zwiegespalten. “Der Markt gibt ihm Recht; es gibt aktuell eine irre Nachfrage für solche kleinen Apartments”, erklärt der Vorsitzende des Bauausschusses und fügt im Hinblick auf langfristige Entwicklungen hinzu: “Ganz nachhaltig ist das meiner Meinung nach aber nicht.”

Die Baufreiheit des Immobilieninvestors sei jedoch zu respektieren, so der CDU-Politiker. Da der Bunker vom Bund und nicht von der Stadt veräußert wird, können beim Verkauf keine Bauauflagen erteilt werden.

Die Bürgerinitiative möchte sich gegen die Gentrifizierung ihres Stadtteils wehren. Sie planen Treffen, um die Nachbarschaft über das Thema zu informieren. Wie am Ende gebaut wird, werden die nächsten Wochen zeigen. Eine erste Entscheidung könnte kommenden Dienstag fallen, wenn der Bauausschuss tagt.

Pressemitteilung

Folgende Pressemitteilung wurde verschickt an
Eimsbütteler Nachrichten + Hamburger Abendblatt + Mopo + taz + Wochenblatt:

Die Zukunft des Wohnens – 6.500 Euro pro Quadratmeter Kaufpreis für Wohnungen in Altona?

Vom Bunker zum Boardinghouse – wie Investorenprojekte Quadratmeterpreise für Wohnungen und Mietenspiegel nach oben treiben.

Nachbarschaft befürchtet: Spekulanten zerstören unser Stadtviertel.
Vom Bunker zum Boardinghouse?
Überteuerte Einzimmerappartements statt erschwinglicher Wohnraum?

In der Eimsbütteler Straße 135 in Altona steht ein Bunker. Bald sollen hier Wohnungen entstehen. Allerdings zeigt der Blick auf die Baupläne, dass die Wohnungen recht speziell sein werden: Die Baupläne, die derzeit im Bauamt liegen, zeigen 72 Wohnungen mit einer Größe von 22 bis 41 qm. Die überwiegende Zahl sind Einzimmerappartements unter 25 qm. Statt der im Viertel normalerweise erlaubten vierstöckigen Bauweise basiert der Bauplan auf sechs Stockwerken plus Staffelgeschoss. Die rückwärtige Seite des Gebäudes ist laut diesem Plan nicht in geschlossener Bauweise wie in den Festsetzungen des Baustufenplanes vorgesehen, sondern mehrfach, weit in den Hinterhof hinein gestaffelt. Am 14. November 2017 tagt der Bauausschuss Altona zu diesem Projekt.

Neuer Wohnraum statt altem Bunker. Das klingt auf den ersten Blick nach einer guten Idee. Entsteht hier ein Studentenwohnheim? Erschwinglicher Wohnraum für Singles? Neue Wohnungen werden dringend benötigt. Doch die Befürchtung der Anwohner ist, dass der zukünftige Investor, die RHH Immobilien GmbH aus Gadebusch, keine Sozial- oder bezahlbare Studentenwohnungen bauen wird.

Wahrscheinlicher scheint, dass der Investor ein Haus mit sogenannten Micro-Appartements plant. Solch ein Projekt wird derzeit beispielsweise in der Behringstraße 150 in Altona von der iLive-Gruppe umgesetzt. Hier entstehen 327 Apartments mit 20 bis 25 qm Wohnfläche. Kaufpreis: ab ca. 6500 Euro pro qm. Mit welchem Mietpreis solch ein Objekt später vermietet wird, kann man nur schätzen. Laut Studie des Marktforschungsinstitutes F+B kosten derzeit typische Micro-Appartements, die in der Regel möbliert und für befristete Zeit vermietet werden, im Durchschnitt 19,90 Euro pro qm. Kleinere Wohnungen werden durchaus für bis zu 28 Euro pro qm vermietet. In Hamburg sind laut dieser Studie bereits ein Drittel der Mietwohnungen auf dem Wohnungsmarkt dieser Kategorie zuzurechnen.

Warum befürchten die Anwohnerinnen und Anwohner, dass der zukünftige Investor RRH in der Eimsbütteler Straße ähnliches plant?
Beispielsweise, weil man auf der Internetseite www.exporo.de über Eberhard Reidel, Geschäftsführer der RHH Immobilien GmbH folgendes nachlesen kann: „Erst nach erfolgreicher Prüfung des Projekts und der aktuellen Marktlage entschließt sich der Projektträger zu Ankauf und Realisation – und investiert selbst Eigenkapital zur Umsetzung des Projekts.“

Im Rahmen dieser Prüfung hat die Reidel-Unternehmensgruppe in Form der „RHH Eimsbütteler Straße GmbH“ beim Bauausschuss Altona folgende Abweichungen von öffentlich-rechtlichen Vorschriften beantragt:
1. RHH möchte mehr Stockwerke bauen, als im Bebauungsplan erlaubt und statt vier Geschossen sechs Stockwerke plus Staffelgeschoss im Gebäude unterbringen.
2. RHH möchte von der geschlossenen Bauweise abweichen und durch eine mehrfach gestaffelte Bauweise im rückwärtigen Bereich des Hauses die Grundfläche des Gebäudes vergrößern, was natürlich eine Verdichtung der Bebauung zur Folge hat.

Was haben die Anwohner gegen solch ein Wohnhaus? Schließlich müssen doch auch Singles, Studenten oder Menschen, die aus beruflichen Gründen kurzfristig in der Stadt sind, Wohnraum finden.
Zum einen fehlt in Hamburg vor allem bezahlbarer Wohnraum. Einen solchen wird ein Haus mit Micro-Appartements nicht bieten. Stattdessen wird wertvolle Baufläche für die Gewinnmaximierung eines einzelnen Unternehmens vertan.
Zum anderen ist ein Haus, das ausschließlich Kleinstappartements bietet, kein Haus, in dem eine gute Mischung aus Bewohnern möglich ist. Familien oder Paare haben in diesem Haus keinen Platz.
Zudem wird ein Haus, in dem der Quadratmeter voraussichtlich über 6.000 Euro kosten wird (Vergleichsobjekt iLive), einen entsprechend hohen Mietpreis nach sich ziehen und damit auch den Mietenspiegel weiter in die Höhe treiben.

Eine Reihe von Anwohnerinnen und Anwohnern hat sich deshalb dazu entschlossen, die Fraktionen der Altonaer Bezirksversammlung sowie Vertreterinnen und Vertreter der Parteien im Bauausschuss Altona auf das Projekt Eimsbütteler Straße 135 anzusprechen. Schließlich stellte der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Matthias Bartke im Rahmen einer Diskussion zum Altonaer Wohnungsmarkt am 12. Juni 2017 („Gutes Wohnen – Faire Mieten) selbst die Frage: „Worin bestehen die entscheidenden Maßnahmen, um bezahlbaren Wohnraum für alle zu erreichen?“ Und er sprach sich für einen „bedarfsgerechten, sozialen Wohnungsbau“ und gegen den „rasanten Anstieg der Mieten“ aus.

Zum Hintergrund:
Immer mehr Investoren bauen Wohnhäuser, die als reine Geldmaschinen konzipiert sind: Sie heißen Micro-Appartements oder Boardinghäuser und bieten auf 20 bis 25 qm Wohnraum für eine Person. Wer sich solch ein Micro-Appartement bei iLive (Beringstraße 150 in Altona, entstehen derzeit 327 solcher Micro-Appartements) kaufen möchte, wird etwa 6.500 Euro pro Quadratmeter zahlen müssen. Die Mietpreise werden entsprechend sein. (Informationen dazu, erhält man direkt von iLive /Urban Living per Email, www.urban-living-hamburg.de).
Das Marktforschungsinstitut F+B hat das Marktsegment möblierter Wohnungen in Hamburg untersucht und fand heraus, dass etwa ein Drittel der freien Mietwohnungen als „möblierte Wohnung“ laufen und vor allem Personen ansprechen, die z. B. aus beruflichen Gründen nur für kurze Zeit in Hamburg wohnen. Im Durchschnitt kosten die Mieten dieser Wohnungen 19,90 Euro pro Quadratmeter, bei kleineren Wohnungen werden durchaus auch 28 Euro verlangt. Der Mietverein Hamburg vermutet bereits, dass hinter diesen Angeboten für möblierte Wohnungen so mancher Vermieter versucht, die ortsüblichen Mieten zu umgehen.
Zu den Themen, die im Bauausschuss diskutiert werden, gibt es nur informell Informationen.
Der derzeit angestrebte Bauplan für die Bunkerbebauung ist im Bauamt einsehbar.
Über RHH Eimsbütteler Straße GmbH, Gadebusch und Geschäftsführer Eduard Reidel finden sich Informationen bei www.Northdata.de und unter exporo.de/netzwerk/reidel-unternehmensgruppe.
Für Rückfragen stehen gerne zur Verfügung die Nachbarinnen und Nachbarn: bunker-e135@gmx.net