Beiträge von Michael

Jetzt wird’s komisch: Wem gehört der Bunker?

Es gab schon immer Zweifel, ob der Bunker in der Eimsbütteler Straße 135 tatsächlich an den Investor Ernst Reidel verkauft wurde. Aus dem Bauausschuss kam immer die Aussage, ja der Bunker sei verkauft, die Rückgabefristen vorbei und somit wäre es müssig, sich über alternative Planungen Gedanken zu machen. Und die bereits entstandenen Kosten seien auch so hoch, dass sozialer Wohnungsbau nicht möglich sei.

Dem Verkauf von Bunkern an den Höchstbietenden widersprach ein Beschluss der Großen Koalition in Berlin, der den jeweiligen Gemeinden Preisabschläge für den sozialen Wohnungsbau gewähren sollte. In diesem Sinne hat die Bezirksversammlung am 14.12.17 einen Beschluss gefasst, durch den die Finanzbehörde aufgefordert wurde, dem Planungsausschuss Auskunft über den Stand der Dinge bzgl. militärischer Bundesanlagen in Altona zu geben.

Die Antwort der Finanzbehörde liegt nun vor, darin heißt es eindeutig: „Die Bunkeranlagen Eimsbütteler Straße 135, Schomburgstraße 6-8 und Holstenstraße 20 gehören dem Bund und sind bislang nicht zum Verkauf angeboten worden.“ Wenn das stimmt, ist die Genehmigung der Bauantrages rechtsgrundlos, weil den Antrag nur der Eigentümer stellen darf! Gestern lag die Drucksache dem Planungsausschuss vor, wo einige Mitglieder das wohl lieber unter dem Teppich gehalten hätten. In diesem Moment liegt es in der Bezirksversammlung, wer da von Ergebnissen berichten kann, schicke uns bitte ein Mail.

Irgendjemand spielt hier falsch. Und wir wollen wissen, wer das ist!

Keiner will in Microwohnungen wohnen!

Diesen Brief habe ich heute an den Bauausschuss & die Fraktionen des Bezirks Altona gesendet:

Moin Herr/Frau XY,

wie derzeit der Presse ([1]/[2]), einem lokalen Flyer und den Gesprächen Nachbarschaft zu entnehmen ist, soll der Bunker in der Eimsbütteler Straße abgerissen und durch eine Wohnbebauung ersetzt werden. „Hurra!“ möchte ich erstmal rufen, „weg mit dem ollen Klotz, diesem Kalte-Krieg-Überbleibsel“ und „Willkommen, liebe neue Nachbarn!“ – leider bleibt mir das im Hals stecken, wenn ich mir das Vorhaben genauer angucke.

Ich möchte nur auf zwei mir besonders wichtige Punkte eingehen:

1. Geplante Microwohnungen

Das macht mich echt sauer. Keiner, aber wirklich keiner will – vor die freie Wahl gestellt – in einer Microwohnung wohnen. Studenten nicht, Rentner nicht, Wochenendpendler nicht – das sind winzige, oft möblierte Löcher, für die abenteuerliche Quadratmeterpreise erzielt aufgerufen. Da ziehen doch nur Leute ein, die da einziehen müssen, wenn bzw. weil es nichts anderes gibt!

- Es gibt hier durchaus Rentner in der Nachbarschaft, die aus ihren zu großen Wohnungen gerne in kleinere Wohnungen ziehen würden. Aber die wären doch mit dem Klammerbeutel gepudert, würde sie sich (womöglich für eine gleich hohe Miete) in ein Wohnklo pferchen lassen!
- Alle Singles in meinem Bekanntenkreis stellen als Minimalforderung an eine Wohnung die Trennung von Schlaf- und Wohnraum
- Für Studenten, die Platz durchaus zu schätzen, wissen, ist es langfristiger und viel besser, die Studentenwerke bauen dauerhaft erschwinglichen Wohnraum. (Der Bunker und die damit verbundenen Besonderheiten machen das konkrete Projekt dafür eventuell ungeeignet.)
- Wochenendpendler – ernsthaft? Soll eine Lösung für die sich selbst im Weg (bzw. Stau) stehenden Kraftfahrzeuge und den unzureichenen ÖPNV sein, dass das Pendeln nicht mehr täglich sondern nur zum Wochenende stattfindet? (Und wo parken die eigentlich in der Eimsbütteler Straße?).
- Kleine Nebenbemerkung: Solche Microwohnungen eigenen sich trotz gegenteiliger Behauptungen in der Werbung nicht mal als attraktive Kapitalanlage (für die Rente oder so). Die Finanztest[3] und Welt[4] warnen davor, weil die Rendite für Anleger nur sehr bescheiden ist Es verdient nur der ursprüngliche Investor, alle anderen – und da schließe ich die zuständige Politik ein – verlieren.

2. Genehmigung einer teilweisen Überbauung des Hinterhofes

Verhindern sie auf jeden Fall eine Überbauung des Hinterhofes! Sie sind herzlich bei mir auf einen Kaffee eingeladen, damit wir nebenan eine Begehung machen können, damit sich selbst eine räumliche Vorstellung machen können. Die schönen 3D-Darstellungen im Bauantrag bilden keineswegs die Realität ab, das ist geschickte Propaganda. Der Hof ist schon jetzt dunkel, eng und feucht, durch eine weitere Verkleinerung nehmen sie den rundum liegenden Häusern und natürlich dem Neubau selbst das Restlicht. Zwar ist der Hof in weiten Teilen betoniert und das derzeitige „Biotop“ reiner Wildwuchs, aber man sollte die Situation nicht noch verschlimmern. Es können doch nicht ernsthaft Neubauten 2017 in Hamburg dazuführen, dass wir dunkle, feuchte Wohnungen kreieren. Oder wollen Sie gar die alte Eimsbütteler Tradition des „Trockenwohnens“ wieder einführen?

Ich lebe hier in einem lebendigen, durchmischten Viertel voller Wähler, die sich dringlich bezahlbaren, angemessenen Wohnraum wünschen. Da kann ich von einer grundsätzlichen Verhinderungs- bzw. Verweigerungshaltung nichts wahrnehmen, auch wenn der Bürgermeister Bürgerinitiativen gerne als Verhinderer diffamiert[5]. Lassen Sie sich für Sonderwünsche des Bauantragstellers nicht damit abspeisen, dass vielleicht ein kleiner Anteil der Wohnungen für einen befristete Zeit im Mietpreis gedeckelt wird. 10 Jahre sind im Bezug auf Stadtplanung nur ein Wimpernschlag! Bitte werden sie ihrem politischen Auftrag und ihrer sozialen Verantwortung gerecht und vertreten sie die Interessen der Bevölkerung und nicht die singulären Interessen eines Investors. Eine Genossenschaft oder die SAGA, die zwar ökonomischen Zwängen, aber nicht fantasievollen Renditevorstellungen unterliegt, wären vielleicht bessere Bauträger.

Mit freundlichen Grüßen und in der Hoffnung auf positive Nachrichten aus dem Bauausschuss bzw. der Bezirksversammlung,
Michael

[1] https://www.eimsbuetteler-nachrichten.de/bunker-abriss-eimsbuetteler-strasse-altona/
[2] https://taz.de/Investor-will-keine-Sozialwohnungen/!5458952/
[3] https://www.test.de/Studentenapartment-als-Kapitalanlage-Hohe-Kaufpreise-magere-Rendite-4717998-4718005/
[4] https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article158211946/Das-heikle-Spiel-mit-teuren-Studentenwohnungen.html
[5] https://www.mopo.de/hamburg/politik/scholz-warnt-anti-bau-initiativen--dann-wird-hamburg-unbezahlbar--27884384