Beiträge von Frauke

Wohnraum ist kein Spekulationsgut

Brief von Frauke an die Mitglieder des Bauauschusses und die Fraktionen

Sehr geehrter Herr …,

als Anwohnerin der Glücksburger Straße in Altona Nord wende ich mich heute auf diesem Weg an Sie, den gewählten Interessenvertreter der Hamburger Bürger, um Gehör für mein Anliegen zu erreichen.
Seit Mai dieses Jahres verfolge ich die Planung des Bauvorhabens auf dem Bunker-Grundstück Eimsbütteler Straße 135.
Auch die Änderung des Bauplans von 85 auf 72 Microwohnungen (ich konnte die Pläne im Bauamt einsehen) kann nicht verdecken, dass es sich hier offensichtlich um ein Bauprojekt handelt bei dem es vorwiegend darum geht die Gewinnerwartungen eines Investors zu bedienen.

Die Größe der 1-Zimmer-Appartements beträgt bei den meisten Einheiten 22-25 qm. Diese Wohnungsgrößen lassen befürchten, dass hier eine Art „Boarding-House“ entsteht, das Firmen für ihre Mitarbeiter/innen nutzen, die über eine begrenzte Zeit in Hamburg arbeiten, oder als Wochenendheimfahrer pendeln. Die Vermietung der Wohnungen an Studenten (wie anfänglich vom Investor angegeben) wird bei den zu erwartenden Quadratmeterpreisen kaum realistisch sein.

Die Mietpreise dieses Hauses werden in keinem Verhältnis zu den ortsüblichen Preisen stehen, ganz im Gegenteil, sie werden den Mietenspiegel deutlich weiter in die Höhe treiben.
Das kann angesichts der Wohnungsmarktsituation in Hamburg auch politisch nicht gewollt sein. Wir brauchen bezahlbare Wohnungen für Familien, Singles, Paare, für Jung und Alt.
Schon seit langem werden wohnungssuchende Familien und Paare in die, einigermaßen bezahlbaren, Randbezirke gedrängt und somit zwangsläufig zu Pendlern.

Wohnraum wird immer mehr zu Spekulationsgut – das wollen wir in unserem Viertel verhindern.

In Zeiten der zunehmenden Anonymisierung brauchen wir Räume für mehr nachbarschaftliches Miteinander und keinen weiteren anonymen Wohnkomplex.
In unserem kleinen Revier wächst seit einigen Jahren eine echte Nachbarschaft zusammen.
Flohmarkt, Open-Air-Kino, Kultur mit Lesungen und Konzerten auf dem ‚Platz ohne Namen‘ schaffen eine ganz besondere Wohnqualität in der Jung und Alt aufeinander zählen können, füreinander da sind. Das zeigt sich übrigens auch deutlich jetzt beim wachsenden Protest gegen dieses Bunker-Bauvorhaben.
Die geplante überdimensionierte Wohnanlage wird sich in erster Linie an solvente Mieter richten die lediglich einen kurzen, überschaubaren Zeitraum, in unserem Viertel wohnen werden. Wir brauchen Nachbarn die auf lange Sicht hier wohnen wollen und sich die Mieten hier auch weiterhin leisten können.

Neben diesen sozialen Komponenten spielt jedoch auch die Belastung durch zunehmenden Verkehr und Lärm eine nicht geringe Rolle
Die direkt betroffenen Nachbarn der Eimsbütteler Straße 127, 129 und 137 und der Glücksburger Straße 3 und 5 werden durch die Überbauung auf faktisch 7 Geschosse (6 Geschosse + Staffelgeschoss) und des im rückwärtigen Bereich mehrfach gestaffelten Baukörpers einer sehr viel größeren Lärmbelastung im Innenhof ausgesetzt.
Schon jetzt herrschen hier sehr spezielle Schallverhältnisse (nichts im Hof bleibt ‚ungehört‘) die jedoch noch erträglich ist.
Mit einer Bebauung bei der über 40 Balkonen in den Hinterhof weisen wird der Lärmpegel allerdings zu einer dauerhaften hohen Belastung.
Durch den gestaffelten Baukörper im Hof (Überbauung des Bebauungsplanes um fast 100 %) und die faktisch 7 Geschosse kommt es für die direkten Nachbarn in der Glücksburger Straße zudem zu einer deutlichen Verschattung der bestehenden Wohnungen.

Auch wenn ich selber Radfahrer bin befürchte ich eine sehr viel größere Belastung durch noch mehr Autos und Parkplatzsuchende. Die Theorie, dass Singles (Studenten) keine Autos haben halte ich für mehr als gewagt. Schon jetzt ist die Verkehrssituation äußerst angespannt, die Straßen bis in die letzten illegalen Plätze zugeparkt.

Abschließend möchte ich noch einmal ganz klar machen: ich bin nicht gegen Wohnungsbau auf dem Bunker-Grundstück, ich erwarte lediglich das die Stadt Baugrundstücke an Investoren vergibt die Wohnungen nicht nach Gewinnorientierung planen sondern sozial nachhaltig handeln.

Deshalb bitte ich Sie: denken Sie bitte an Ihre soziale Verantwortung den Hamburger Bürgern gegenüber, stimmen Sie 14. November 2017 im Bauausschuss gegen eine Befreiung von den Festsetzungen des Baustufenplanes für das Überschreiten der Zahl der Vollgeschosse auf 6 Vollgeschosse + Staffelgeschoss und gegen eine Befreiung von den Festsetzungen des Baustufenplanes für das Abweichen von der festgesetzten geschlossen Bauweise durch den im rückwärtigen Bereich mehrfach gestaffelten Baukörper.

Geben Sie dem wirklich nachhaltigen Wohnungsbau und den Hamburger Bürgern eine Chance.

Mit freundlichen Grüßen