In Ihrem Wahlkreis herrscht gerade Unzufriedenheit!

Mario hat sich direkt an den Bundestagsabgeordneten für Altona Herrn Dr. Bartke gewendet:

Sehr geehrter Herr Dr. Bartke,

möglicherweise ist es Ihnen nicht entgangen, dass angesichts der Pläne, den Hochbunker in der Eimsbütteler Straße 135 in ein „Boardinghouse“ mit überteuerten Mikro-Appartments zu verwandeln, in Ihrem Wahlkreis gerade eine hohe Unzufriedenheit herrscht. Ich erlaube mir daher, mich (in Ergänzung zu meiner Mail vom 11.11.) noch einmal direkt an Sie zu wenden. Da Sie im Bundestagswahlkampf das Thema bezahlbaren Wohnraum ins Zentrum gerückt hatten, setzte ich eine große Hoffnung auf Ihren positiven Einfluss und Gestaltungsmacht – und ich weiß, dass es vielen meiner Nachbarn ähnlich geht.
Gern stelle ich noch einmal klar, dass gegen eine Umwandlung eines Bunkers in Wohnraum per se nichts einzuwenden ist. Ich befürchte allerdings, dass das geplante Vorhaben der falsche Weg ist. Anstatt hochpreisige Mikroappartments für pendelnde Geschäftsleute zu errichten – was überdies zu einem Anstieg des Mietenspiegels und mithin einer Mehrbelastung der gesamten Nachbarschaft führen würde – sollte über den Bau „normal dimensionierter“, familiengeeigneter Wohnungen nachgedacht werden. Überdies sollte von einer weiteren Versiegelung des ohnehin beengten Innenhofs (Lichtmangel!) Abstand genommen werden. Wäre es unter diesem Gesichtspunkt nicht sinnvoll, das Vorhaben noch einmal neu zu verhandeln und den gemeinnützigen Gedanken, z.B. durch Einbindung von Genossenschaften, stärker in den Vordergrund zu stellen?
Sodann hörte ich zu meiner großen Überraschung, dass der in Hamburg praktizierte „Drittelmix“ seit einem Jahr faktisch aufgehoben sei bzw. nur noch für „zusätzliche“, über den Bebauungsplan hinausgehende Wohneinheiten gelte – ohne dass dies offiziell publik gemacht bzw. auf einer breiten gesellschaftlichen Basis diskutiert worden sei. (Ganz abgesehen von der Tatsache, dass es selbst bei den geförderten Wohnungen nach Auslauf der Bindung – siehe Lenzsiedlung – immer wieder zu nicht hinnehmbaren Verwerfungen kommt). Sollte dies den Tatsachen entsprechen, wäre dies m.E. ein sozialpolitischer Skandal, der dem leidigen Thema „Politikverdrossenheit“ weiteren Vorschub leisten würde. Wohnraum ist kein Spekulationsgut!
Abschließend möchte ich auch die Stichworte „Kappungsgrenze“ und „Neuvermietungspraxis“ nicht unerwähnt lassen. Ein Arbeitnehmer, der eine neue Stelle antritt, erhält i.d.R. weniger Gehalt als sein Vorgänger. Schließt er jedoch einen neuen Mietvertrag ab, zahlt er mit größter Selbstverständlichkeit mehr. Wie ist dies aus sozialpolitischer Sicht zu erklären? Welche Rechtfertigung gibt es, dass ein Vermieter alle drei Jahre die Miete um 15% anheben darf, wo doch die Gehaltsentwicklung nicht im Ansatz dieser Tendenz entspricht? Man stelle sich die Situation einmal umgekehrt vor: In einem gesunden Unternehmen, in dem überdies sozialer Frieden herrscht, verlangt die Belegschaft alle drei Jahre eine 15-prozentige Gehaltserhöhung (welcher der Vorstand ironischerweise durch eine freiwillige Unterschrift noch zustimmen darf – denn dies ist auf dem Wohnungsmarkt derzeitige Praxis) – hier würden vermutlich die meisten Menschen kein Verständnis aufbringen.

Sehr geehrter Herr Dr. Bartke, ich möchte Sie und Ihre Parteikollegen hiermit herzlich bitten, zu den genannten Themen
1.) Neugestaltung der Einheit Eimsbütteler Straße 135 im Sinne einer sozial gerechten und nachhaltigen Quartiersentwicklung
2.) Praktizierung bzw. Wiedereinführung eines Drittelmixes, der seinen Namen verdient
3.) Neuvermietung und Kappungsgrenze
Stellung zu beziehen sowie zu erläutern, welche Schritte die Sozialdemokratie auf ihrem traditionellen Feld der sozialen Gerechtigkeit hier bereits plant bzw. zu gehen bereit ist.

Mit besten Grüßen aus der Nachbarschaft
Mario