Für einen bezahlbaren Wohnraum, der in das hiesige Viertel passt!

Während erste Rückmeldungen aus der Politik zeigen, dass wir wahrgenommen werden, freuen wir uns, dass sich nun auch Raimund an den Bauausschuss gewandt hat:

Sehr geehrte Damen und Herren vom Bauausschuss,

als Anwohner direkt gegenüber dem Bunker in der Eimsbütteler Str. 135 habe ich zu meinem Bedauern erst in den letzten Tagen aus der Nachbarschaft und zuletzt auch aus der Presse von den aktuell geplanten Baumaßnahmen erfahren. Gelinde gesagt bin ich etwas überrascht, dass ich als hiesiger Bürger dieses Viertels zuvor bislang von diesem Bauvorhaben nicht in Kenntnis gesetzt und informiert worden bin. An dieser Stelle hätte ich mir mehr bürgernahe Transparenz über das geplante Bauvorhaben gewünscht. Anmerken möchte ich, dass ich möglicherweise diesbezügliche Ankündigungen in der Tagespresse aber auch überlesen habe. Falls dies so zutreffen sollte, bitte ich mein diesbezüglich geäußertes Unbehagen zu entschuldigen.

Wenn ich richtig informiert worden bin, ist in der Eimsbütteler Str. 135 derzeit der Bau von 73 Mikrowohnungen größtenteils in der Größe von ca. 22 qm angedacht. Damit stellt sich die Frage, ob ein Bedarf solcher Wohnungen im hier gewachsenen Viertel in dieser Form überhaupt vorhanden ist. Es gehört meines Erachtens nicht viel Fantasie dazu, diese Frage zu beantworten.

Bei Durchführung des angedachten Bauvorhabens ist zu erwarten, dass die Mietpreise dieser Mikrowohnungen in keinem Verhältnis zu den bisherigen ortsüblichen Mieten stehen werden. Sehr wahrscheinlich werden die neuen Mieten zu einer Erhöhung des Mietenspiegels beitragen. Das kann angesichts der schon jetzt angespannten Wohnungsmarktsituation in Hamburg politisch nicht gewollt sein. Eine Vermietung der Wohnungen an Studenten wird bei den zu erwartenden Quadratmeterpreisen nicht realistisch sein.
Zu befürchten ist angesichts der derzeit geplanten Wohnungsgrößen, dass stattdessen Firmen diese Mikrowohnungen für ihre Mitarbeiter variierend nutzen werden, quasi als Boarding-House bzw. diese Wohnungen von Personen übergangsweise angemietet werden, die hier eigentlich gar nicht wohnen und ihren Lebensschwerpunkt haben wollen.

Die geplanten Mikrowohnungen passen nicht in diese Nachbarschaft und das hiesige Viertel.

Bei 73 neuen Wohnungen ist außerdem damit zu rechnen, dass die schon jetzt sehr problematische Parkplatzsituation sich weiter anspannen wird, auch weil nach meinem Kenntnisstand trotz geplantem Neubau keine neuen Parkplätze errichtet werden sollen.

Wir wünschen uns durch den Abriss des Bunkers stattdessen ein Wohnungsangebot für unseren Stadtteil, ein Angebot, dass hier auch wirklich her passt, ein Angebot für werdende Nachbarn, die hier längerfristig wohnen wollen und den Wohnraum auch bezahlen können, gemischt für Familien, ältere Menschen, etc.. Der Abriss des Bunkers soll zu einer Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität im Viertel beitragen. Dies setzt bezahlbare Wohnungen in variierenden Größen voraus.

Ich habe große Sorge, dass die Belange der hiesigen Bürger dabei nicht angemessen und adäquat berücksichtigt werden.

Ich appelliere deshalb an Ihre Verantwortung und an Ihr Gewissen als von uns Bürgern gewählte und im Bauausschuss tätige Person, Ihre Entscheidung nicht nur sorgfältig und gewissenhaft, sondern auch mit der dazu notwendigen und erforderlichen Zeit zu überdenken. Eine unmittelbare kurzfristige Befürwortung des aktuell geplanten Bauvorhabens schon am 14.11.2017 halte ich als betroffener Bewohner für verantwortungslos und Ihrer Rolle als Mitglied des Bauausschusses für unwürdig. Bitte beziehen Sie in Ihre Entscheidung auch die zweifelsohne berechtigten Sorgen und auch Anregungen besorgter Bürger für einen bezahlbaren Wohnraum, der in das hiesige Viertel passt, in Erwägung. Angesichts allgemeiner Übereinstimmung der vorhandenen Wohnungsknappheit ist eine sinnvolle und Bebauung des Bunkers unbestreitbar nachvollziehbar und vertretbar. Allerdings nicht als Fremdkörper mit möblierten Mikrowohnungen zu überhöhten Preisen oder als Boarding-House, damit ohne Zweifel ins hiesige Viertel nicht passend und dies möglicherweise nur einer maximalen Profitabilität geschuldet.

Auch mit größeren und sozialverträglichen Wohnungen auf dem vom Bunker selbst belegten Areal sollte das Objekt für einen Investor interessant sein!

Ich bitte Sie deshalb freundlich, am 14.11.2017 im Bauausschuss Ihrer städtebaulichen und sozialen Verantwortung gerecht zu werden und gegen eine Befreiung von den Festsetzungen des Baustufenplanes für das Überschreiten der Zahl der Vollgeschosse auf 6 Vollgeschosse + Staffelgeschoss und gegen eine Befreiung von den Festsetzungen des Baustufenplanes für das Abweichen von der festgesetzten geschlossen Bauweise durch den im rückwärtigen Bereich mehrfach gestaffelten Baukörper zu stimmen.

Über eine Mitteilung Ihrerseits über Ihre Entscheidung im Bauausschuss am 14.11.2017 und die diesbezüglichen weiteren Bauplanungen wäre ich Ihnen sehr zu Dank verbunden.

Mit freundlichen Grüßen