Kein Boarding-House für unser Viertel

Lutz Brief an die Mitglieder des Bauausschusses

Sehr geehrter Herr …,

mit Schrecken habe ich die Bebauungsplanung für das Bunkergrundstück Eimsbütteler Straße 135 zur Kenntis genommen. Angesichts der Größe der meisten geplanten Wohnungen von 22-23 qm ist zu erwarten, dass die Kauf- bzw. Mietpreise dieser Wohnungen in keinem Verhältnis zu den bislang ortsüblichen Preisen stehen. Ein Ansteigen des Mietenspiegels wäre die Folge. Ebenso ist davon auzugehen, dass das vorliegende Konzept der Gewinnmaximierung des Investors dient, und nicht darauf ausgerichtet ist, welche Art Wohnung am dringlichsten benötigt werden.

Hiermit möchte ich betonen, dass ich nicht gegen den Abriss des Bunkers und eine Neubebauung mit Wohnungen bin. Ganz im Gegenteil.

Denn Wohnraum sollte nicht vornehmlich als Spekulationsobjekt dienen. Auch zukünftig muß es noch möglich sein, dass auch z.B. Verkäufer und Friseure (ohne irgendwelche Berufe diskriditieren zu wollen) es sich leisten können im Hamburger Stadtgebiet wohnen zu können. Denken Sie daher bitte an Ihre Verantwortung für uns Hamburger.

In den letzten Jahren hat sich hier im Viertel eine sehr gute Nachbarschaft entwickelt.
Da wären 72 neue Wohnungen mit Personen, die sich nicht/schlecht in die Gemeinschaft einfügen, weil sie nur zu kurz oder nur zum Übernachten hier wohnen nicht förderlich. Die vorliegende Planung läßt eher die Nutzung als eine Art Boarding-House befürchten.
Wir aber hätten gerne einen bunten Mix an „echten“ Nachbarn, mit Singles, Paaren, Familien aller Altersklassen, in entsprechenden Wohnungen, die auch bezahlbar sind.

Bei 72 neuen Wohnungen ist außerdem damit zu rechnen, dass die aktuell bereits angespannte Parkplatzsituation weiterhin eskaliert. Auch die Verkehrssituation wird dann zusätzlich durch PKWs, die längere Zeit auf Parkplatzsuche sein können, belastet.

Bei der geplanten Bauweise mit mehrfach gestaffelten Baukörper ist außerdem im „Hinterhof“ der direkt betroffenen Nachbarn in der Eimsbütteler Straße und in der Glücksburger Straße eine deutlich erhöhte Lärmimmission zu erwarten.

Die Erhöhung der derzeitigen Bauhöhe mit einem Staffelgeschoß wird zu Verschattungen insbesondere der Wohnungen in der Glücksburger Strasse führen.

Daher stimmen Sie im Bauausschuss (am 14., November 2017) bitte gegen eine „Befreiung von den Festsetzungen des Baustufenplanes für das Überschreiten der Zahl der Vollgeschosse auf 6 Vollgeschosse + Staffelgeschoss und gegen eine Befreiung von den Festsetzungen des Baustufenplanes für das Abweichen von der festgesetzten geschlossen Bauweise durch den im rückwärtigen Bereich mehrfach gestaffelten Baukörper.“

Viele Grüße