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Die Zukunft des Wohnens – 6.500 Euro pro Quadratmeter Kaufpreis für Wohnungen in Altona?

Vom Bunker zum Boardinghouse – wie Investorenprojekte Quadratmeterpreise für Wohnungen und Mietenspiegel nach oben treiben.

Nachbarschaft befürchtet: Spekulanten zerstören unser Stadtviertel.
Vom Bunker zum Boardinghouse?
Überteuerte Einzimmerappartements statt erschwinglicher Wohnraum?

In der Eimsbütteler Straße 135 in Altona steht ein Bunker. Bald sollen hier Wohnungen entstehen. Allerdings zeigt der Blick auf die Baupläne, dass die Wohnungen recht speziell sein werden: Die Baupläne, die derzeit im Bauamt liegen, zeigen 72 Wohnungen mit einer Größe von 22 bis 41 qm. Die überwiegende Zahl sind Einzimmerappartements unter 25 qm. Statt der im Viertel normalerweise erlaubten vierstöckigen Bauweise basiert der Bauplan auf sechs Stockwerken plus Staffelgeschoss. Die rückwärtige Seite des Gebäudes ist laut diesem Plan nicht in geschlossener Bauweise wie in den Festsetzungen des Baustufenplanes vorgesehen, sondern mehrfach, weit in den Hinterhof hinein gestaffelt. Am 14. November 2017 tagt der Bauausschuss Altona zu diesem Projekt.

Neuer Wohnraum statt altem Bunker. Das klingt auf den ersten Blick nach einer guten Idee. Entsteht hier ein Studentenwohnheim? Erschwinglicher Wohnraum für Singles? Neue Wohnungen werden dringend benötigt. Doch die Befürchtung der Anwohner ist, dass der zukünftige Investor, die RHH Immobilien GmbH aus Gadebusch, keine Sozial- oder bezahlbare Studentenwohnungen bauen wird.

Wahrscheinlicher scheint, dass der Investor ein Haus mit sogenannten Micro-Appartements plant. Solch ein Projekt wird derzeit beispielsweise in der Behringstraße 150 in Altona von der iLive-Gruppe umgesetzt. Hier entstehen 327 Apartments mit 20 bis 25 qm Wohnfläche. Kaufpreis: ab ca. 6500 Euro pro qm. Mit welchem Mietpreis solch ein Objekt später vermietet wird, kann man nur schätzen. Laut Studie des Marktforschungsinstitutes F+B kosten derzeit typische Micro-Appartements, die in der Regel möbliert und für befristete Zeit vermietet werden, im Durchschnitt 19,90 Euro pro qm. Kleinere Wohnungen werden durchaus für bis zu 28 Euro pro qm vermietet. In Hamburg sind laut dieser Studie bereits ein Drittel der Mietwohnungen auf dem Wohnungsmarkt dieser Kategorie zuzurechnen.

Warum befürchten die Anwohnerinnen und Anwohner, dass der zukünftige Investor RRH in der Eimsbütteler Straße ähnliches plant?
Beispielsweise, weil man auf der Internetseite www.exporo.de über Eberhard Reidel, Geschäftsführer der RHH Immobilien GmbH folgendes nachlesen kann: „Erst nach erfolgreicher Prüfung des Projekts und der aktuellen Marktlage entschließt sich der Projektträger zu Ankauf und Realisation – und investiert selbst Eigenkapital zur Umsetzung des Projekts.“

Im Rahmen dieser Prüfung hat die Reidel-Unternehmensgruppe in Form der „RHH Eimsbütteler Straße GmbH“ beim Bauausschuss Altona folgende Abweichungen von öffentlich-rechtlichen Vorschriften beantragt:
1. RHH möchte mehr Stockwerke bauen, als im Bebauungsplan erlaubt und statt vier Geschossen sechs Stockwerke plus Staffelgeschoss im Gebäude unterbringen.
2. RHH möchte von der geschlossenen Bauweise abweichen und durch eine mehrfach gestaffelte Bauweise im rückwärtigen Bereich des Hauses die Grundfläche des Gebäudes vergrößern, was natürlich eine Verdichtung der Bebauung zur Folge hat.

Was haben die Anwohner gegen solch ein Wohnhaus? Schließlich müssen doch auch Singles, Studenten oder Menschen, die aus beruflichen Gründen kurzfristig in der Stadt sind, Wohnraum finden.
Zum einen fehlt in Hamburg vor allem bezahlbarer Wohnraum. Einen solchen wird ein Haus mit Micro-Appartements nicht bieten. Stattdessen wird wertvolle Baufläche für die Gewinnmaximierung eines einzelnen Unternehmens vertan.
Zum anderen ist ein Haus, das ausschließlich Kleinstappartements bietet, kein Haus, in dem eine gute Mischung aus Bewohnern möglich ist. Familien oder Paare haben in diesem Haus keinen Platz.
Zudem wird ein Haus, in dem der Quadratmeter voraussichtlich über 6.000 Euro kosten wird (Vergleichsobjekt iLive), einen entsprechend hohen Mietpreis nach sich ziehen und damit auch den Mietenspiegel weiter in die Höhe treiben.

Eine Reihe von Anwohnerinnen und Anwohnern hat sich deshalb dazu entschlossen, die Fraktionen der Altonaer Bezirksversammlung sowie Vertreterinnen und Vertreter der Parteien im Bauausschuss Altona auf das Projekt Eimsbütteler Straße 135 anzusprechen. Schließlich stellte der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Matthias Bartke im Rahmen einer Diskussion zum Altonaer Wohnungsmarkt am 12. Juni 2017 („Gutes Wohnen – Faire Mieten) selbst die Frage: „Worin bestehen die entscheidenden Maßnahmen, um bezahlbaren Wohnraum für alle zu erreichen?“ Und er sprach sich für einen „bedarfsgerechten, sozialen Wohnungsbau“ und gegen den „rasanten Anstieg der Mieten“ aus.

Zum Hintergrund:
Immer mehr Investoren bauen Wohnhäuser, die als reine Geldmaschinen konzipiert sind: Sie heißen Micro-Appartements oder Boardinghäuser und bieten auf 20 bis 25 qm Wohnraum für eine Person. Wer sich solch ein Micro-Appartement bei iLive (Beringstraße 150 in Altona, entstehen derzeit 327 solcher Micro-Appartements) kaufen möchte, wird etwa 6.500 Euro pro Quadratmeter zahlen müssen. Die Mietpreise werden entsprechend sein. (Informationen dazu, erhält man direkt von iLive /Urban Living per Email, www.urban-living-hamburg.de).
Das Marktforschungsinstitut F+B hat das Marktsegment möblierter Wohnungen in Hamburg untersucht und fand heraus, dass etwa ein Drittel der freien Mietwohnungen als „möblierte Wohnung“ laufen und vor allem Personen ansprechen, die z. B. aus beruflichen Gründen nur für kurze Zeit in Hamburg wohnen. Im Durchschnitt kosten die Mieten dieser Wohnungen 19,90 Euro pro Quadratmeter, bei kleineren Wohnungen werden durchaus auch 28 Euro verlangt. Der Mietverein Hamburg vermutet bereits, dass hinter diesen Angeboten für möblierte Wohnungen so mancher Vermieter versucht, die ortsüblichen Mieten zu umgehen.
Zu den Themen, die im Bauausschuss diskutiert werden, gibt es nur informell Informationen.
Der derzeit angestrebte Bauplan für die Bunkerbebauung ist im Bauamt einsehbar.
Über RHH Eimsbütteler Straße GmbH, Gadebusch und Geschäftsführer Eduard Reidel finden sich Informationen bei www.Northdata.de und unter exporo.de/netzwerk/reidel-unternehmensgruppe.
Für Rückfragen stehen gerne zur Verfügung die Nachbarinnen und Nachbarn: bunker-e135@gmx.net